Warum hilft Kratzen bei Juckreiz?

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Kratzen lindert Juckreiz, indem Schmerzsignale die langsameren Juckreizimpulse im Rückenmark überlagern. Dieser Mechanismus dient der kurzfristigen Linderung, obwohl Juckreiz ursprünglich als Schutz vor Schädlingen gedacht war.

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Warum hilft Kratzen bei Juckreiz? Die paradoxe Linderung

Juckreiz, medizinisch Pruritus genannt, ist ein unangenehmes Gefühl, das den unwiderstehlichen Drang zum Kratzen auslöst. Paradoxerweise lindert Kratzen, obwohl es die Haut potenziell schädigen kann, den Juckreiz zumindest kurzfristig. Doch warum ist das so? Die Antwort liegt in der komplexen Interaktion von Nervenbahnen und Botenstoffen in unserem Körper.

Juckreiz wird von spezialisierten Nervenfasern, den C-Fasern, an das Rückenmark und schließlich zum Gehirn weitergeleitet. Diese Signale wandern relativ langsam. Kratzen hingegen aktiviert andere Nervenfasern, die Schmerzsignale übertragen. Diese Schmerzimpulse sind schneller als die Juckreizimpulse und gelangen somit eher im Rückenmark an. Im Rückenmark kommt es zu einer Art “Überlagerung” oder “Gate-Control”-Effekt: Die schnelleren Schmerzsignale blockieren gewissermaßen die Übertragung der langsameren Juckreizsignale. Das Ergebnis ist eine kurzfristige Linderung des Juckreizes.

Evolutionär betrachtet diente Juckreiz ursprünglich dem Schutz vor Parasiten und anderen schädlichen Substanzen auf der Haut. Kratzen half, diese zu entfernen. Die kurzfristige Schmerzlinderung durch das Kratzen war dabei ein wichtiger Motivator. In der heutigen Zeit ist Juckreiz jedoch oft ein Symptom verschiedener Erkrankungen, wie Allergien, Hauterkrankungen oder Nervenschäden. In diesen Fällen kann Kratzen die Haut weiter reizen und zu Entzündungen, Infektionen und einem Teufelskreis aus Jucken und Kratzen führen.

Die Linderung durch Kratzen ist also trügerisch. Anstatt den Juckreiz zu bekämpfen, unterbricht sie lediglich kurzfristig die Wahrnehmung des Juckreizes im Gehirn. Langfristig kann exzessives Kratzen die Haut schädigen und den Juckreiz sogar verstärken. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen des Juckreizes zu identifizieren und zu behandeln. Statt zu kratzen, können kühlende Kompressen, feuchtigkeitsspendende Lotionen oder Medikamente, die der Arzt verschreibt, helfen, den Juckreiz zu lindern und den Teufelskreis zu durchbrechen. Bei anhaltendem Juckreiz sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.