Ist im Flugzeug Über- oder Unterdruck?

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In Reiseflughöhe herrscht in Flugzeugkabinen kein normaler Atmosphärendruck. Stattdessen sorgt die Klimatechnik für einen künstlichen Druckausgleich, der dem Druck in etwa 2500 Metern Höhe entspricht. Passagiere erleben somit einen leichten Unterdruck im Vergleich zum Bodenniveau, aber einen deutlich höheren Druck als außerhalb des Flugzeugs in 10.000 Metern Höhe.

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Der Druck in der Flugzeugkabine: Ein Kompromiss zwischen Komfort und Sicherheit

Wer schon einmal geflogen ist, hat sich vielleicht gefragt, wie es eigentlich mit dem Druck in der Flugzeugkabine aussieht. Während man bequem im Sessel sitzt und einen Film schaut, herrscht draußen in zehntausend Metern Höhe ein lebensfeindlicher Zustand mit extrem niedrigem Luftdruck. Wie schafft es ein Flugzeug also, die Passagiere vor den Auswirkungen dieses Umstandes zu schützen? Die Antwort liegt in einem komplexen System der Druckregulierung, das einen Kompromiss zwischen Komfort und Sicherheit eingeht.

Draußen eisige Kälte und dünne Luft

In Reiseflughöhe, typischerweise zwischen 9.000 und 12.000 Metern (30.000 bis 40.000 Fuß), ist der Luftdruck extrem niedrig. Er beträgt nur etwa 20-30 % des Luftdrucks auf Meereshöhe. Das bedeutet, dass der Körper weniger Sauerstoff aufnehmen kann, was zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und sogar Bewusstlosigkeit führen könnte. Zudem herrschen dort Temperaturen von -50°C bis -60°C. Ein Leben ohne Schutz ist in dieser Höhe schlichtweg unmöglich.

Die Druckkabine: Ein künstlicher Lebensraum

Um die Passagiere zu schützen, sind Flugzeugkabinen als sogenannte Druckkabinen konstruiert. Sie werden während des Fluges künstlich mit Druck beaufschlagt. Dieser Druck wird jedoch nicht auf dem Niveau des Meeresspiegels gehalten, da dies technisch sehr aufwendig und das Flugzeug deutlich schwerer machen würde. Stattdessen wird ein höherer Druck als draußen, aber ein niedrigerer Druck als auf Meereshöhe erzeugt.

Der “Kabinen-Druck”: Ein Kompromiss

Die meisten modernen Verkehrsflugzeuge regeln den Kabinendruck auf einen Wert, der dem Luftdruck in einer Höhe von etwa 2.400 Metern (8.000 Fuß) entspricht. Dies ist ein Kompromiss, der für die meisten gesunden Menschen gut verträglich ist und gleichzeitig die Belastung für die Flugzeugstruktur minimiert. Dieser Druck wird durch die Klimaanlage des Flugzeugs reguliert, die kontinuierlich Luft komprimiert und in die Kabine pumpt.

Was bedeutet das für die Passagiere?

Für die Passagiere bedeutet dieser “Kabinen-Druck” im Wesentlichen einen leichten Unterdruck im Vergleich zum Bodenniveau. Dieser Unterdruck kann sich durch folgende Effekte bemerkbar machen:

  • Druck auf den Ohren: Viele kennen das Gefühl, wenn beim Start oder der Landung ein Druck auf den Ohren entsteht. Dies liegt daran, dass sich der Druck in der Kabine ändert und der Körper diesen Druck durch Schlucken, Gähnen oder das Valsalva-Manöver ausgleichen muss.
  • Trockene Luft: Die Luft in der Kabine ist in der Regel sehr trocken, da die komprimierte Luft wenig Feuchtigkeit enthält. Dies kann zu trockener Haut, trockenen Augen und einem trockenen Hals führen.
  • Leichte Müdigkeit: Der reduzierte Sauerstoffgehalt kann bei manchen Menschen zu leichter Müdigkeit führen.

Fazit: Kein Überdruck, aber Lebensqualität

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der Flugzeugkabine kein Überdruck im Vergleich zum Bodenniveau herrscht, sondern eher ein leichter Unterdruck. Dennoch ist der Druck deutlich höher als außerhalb des Flugzeugs in Reiseflughöhe. Durch die Regulierung des Kabinendrucks auf einen Wert, der dem Luftdruck in etwa 2.400 Metern Höhe entspricht, wird ein sicheres und komfortables Flugerlebnis für die Passagiere gewährleistet. Dieser Kompromiss ermöglicht es uns, in kurzer Zeit große Distanzen zurückzulegen, ohne den lebensfeindlichen Bedingungen in der oberen Atmosphäre ausgesetzt zu sein.