Wie lange bettlägerig für Thrombose?

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Aktuelle Forschungsergebnisse aus Wiesbaden deuten darauf hin, dass eine ausgedehnte Thromboseprophylaxe bei internistischen Patienten mit akuten Erkrankungen und eingeschränkter Mobilität von Vorteil sein könnte. Eine Verlängerung der Prophylaxe auf bis zu fünf Wochen wird als sinnvolle Maßnahme diskutiert, um das Risiko von Thrombosen in dieser vulnerablen Patientengruppe effektiv zu reduzieren.

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Bettlägerigkeit und Thromboserisiko: Wie lange ist die Gefahr am größten?

Die Frage, wie lange Bettlägerigkeit das Thromboserisiko erhöht, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während die pauschale Antwort schwierig ist, gibt es einige wichtige Aspekte und Forschungsergebnisse, die uns helfen, das Risiko besser einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Das Problem: Bettlägerigkeit und venöse Thromboembolie (VTE)

Bettlägerigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit akuten Erkrankungen, stellt einen erheblichen Risikofaktor für venöse Thromboembolien (VTE) dar. VTE umfasst sowohl tiefe Venenthrombosen (TVT), also Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen, als auch Lungenembolien (LE), bei denen das Gerinnsel in die Lunge wandert und dort ein Gefäß verstopft.

Die Ursache für das erhöhte Risiko liegt in der Kombination aus:

  • Verlangsamtem Blutfluss (Venenstase): Liegen und mangelnde Bewegung führen dazu, dass das Blut langsamer durch die Venen fließt, was die Gerinnselbildung begünstigt.
  • Schäden an der Gefäßwand: Bestimmte Erkrankungen und Operationen können die Innenwand der Blutgefäße schädigen, was ebenfalls die Gerinnungsneigung erhöht.
  • Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes (Hyperkoagulabilität): Akute Erkrankungen, Entzündungen und bestimmte Medikamente können die Gerinnungsneigung des Blutes verstärken.

Wie lange dauert die Gefahr?

Es gibt keine definitive Antwort darauf, wie lange Bettlägerigkeit konkret sein muss, um das Thromboserisiko signifikant zu erhöhen. Generell gilt aber:

  • Je länger die Bettlägerigkeit andauert, desto höher ist das Risiko. Bereits wenige Tage Immobilität können das Risiko erhöhen, insbesondere bei Vorliegen anderer Risikofaktoren.
  • Das Risiko ist in den ersten Wochen nach Beginn der Bettlägerigkeit am höchsten. Das Risiko sinkt mit zunehmender Mobilisierung, bleibt aber auch nach Wiederherstellung der Mobilität noch eine Zeit lang erhöht.

Aktuelle Forschung und Empfehlungen:

Die aktuelle Forschung, wie die aus Wiesbaden, beleuchtet die Notwendigkeit einer ausgedehnten Thromboseprophylaxe bei internistischen Patienten mit akuten Erkrankungen und eingeschränkter Mobilität. Dies deutet darauf hin, dass die übliche Dauer der Prophylaxe in bestimmten Fällen möglicherweise nicht ausreichend ist.

Die diskutierte Verlängerung der Prophylaxe auf bis zu fünf Wochen unterstreicht die Erkenntnis, dass das Thromboserisiko in dieser Patientengruppe länger anhält als bisher angenommen.

Wer ist besonders gefährdet?

Neben der Dauer der Bettlägerigkeit spielen auch andere Faktoren eine Rolle:

  • Alter: Ältere Menschen haben ein höheres Thromboserisiko.
  • Vorerkrankungen: Herzkrankheiten, Krebs, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und andere Erkrankungen erhöhen das Risiko.
  • Operationen: Insbesondere orthopädische Eingriffe und große Bauchoperationen sind mit einem erhöhten Risiko verbunden.
  • Frühere Thrombosen: Personen, die bereits eine Thrombose hatten, haben ein erhöhtes Risiko für erneute Thrombosen.
  • Übergewicht: Übergewicht erhöht das Risiko für VTE.
  • Hormonelle Faktoren: Schwangerschaft, Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Antibabypille) und Hormontherapie können das Risiko erhöhen.
  • Familiäre Veranlagung: Bestimmte genetische Faktoren können die Gerinnungsneigung erhöhen.

Was kann man tun?

  • Thromboseprophylaxe: Bei Bettlägerigkeit und Vorliegen von Risikofaktoren ist eine Thromboseprophylaxe unerlässlich. Diese kann in Form von Medikamenten (z.B. Heparin) und/oder physikalischen Maßnahmen (z.B. Kompressionsstrümpfe) erfolgen.
  • Frühe Mobilisierung: Sobald es der Gesundheitszustand zulässt, sollte mit der Mobilisierung begonnen werden.
  • Bewegungsübungen: Regelmäßige Beinübungen im Liegen oder Sitzen können den Blutfluss fördern.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr trägt zur Verbesserung der Durchblutung bei.
  • Risikobewusstsein: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr individuelles Thromboserisiko und geeignete Präventionsmaßnahmen.

Fazit:

Bettlägerigkeit ist ein signifikanter Risikofaktor für Thrombosen. Die Dauer der Bettlägerigkeit ist ein wichtiger Faktor, aber auch andere Risikofaktoren spielen eine Rolle. Eine umfassende Risikobeurteilung und eine angepasste Thromboseprophylaxe sind entscheidend, um das Risiko zu minimieren. Die aktuelle Forschung unterstreicht die Bedeutung einer ausgedehnten Prophylaxe bei bestimmten Patientengruppen. Es ist wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein und gemeinsam mit dem Arzt die optimalen Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Thrombose sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.